Trauungszimmer Stadt Altötting 


Umfang   Umbau

Leistung   Innenarchitektur, Möbeldesign
Status   gebaut

Fertigstellung   April 2018

Bauherr   Stadt Altötting

Budget   30.000 Euro

Größe   24 qm
Fotos   Antje Hanebeck, München


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TRAUUNGSRAUM ...drum prüfe, wo du dich ewig bindest!

 

Zu heiraten war von jeher eine elementare und großartige Angelegenheit. In jüngster Zeit hat es sogar den Anschein, als würde der Akt der Vermählung noch mehr an Bedeutung gewinnen. Wahrscheinlich handelt es sich um eine romantische Gegenbewegung, die einen Ausgleich bieten soll zu unserer zunehmend digitalisierten Welt und der Anonymisierung der Gesellschaft. Eine Bewegung die auch die Standesämter zu spüren bekommen, denn längst wird nicht mehr dort geheiratet, wo man herkommt, sondern die Anforderungen und Erwartungen an den Raum, in dem man getraut wird, sind anspruchsvoll und der Begriff des Hochzeitstourismus ist in aller Munde.

 

Das Altöttinger Standesamt hat die Zeichen der Zeit erkannt, und verstanden, dass der leicht angestaubte Amtsstuben-Charme des 24m² großen Bestandes nicht mehr den Geschmack und die Erwartungen moderner Heiratswilliger trifft.

 

Die Hülle des Zimmers hatte zwar mit seinem Tonnengewölbe und der Stuckdecke räumlich einiges zu bieten, allerdings galt es diese Qualitäten zu erkennen und die schöne Struktur unter Tapeten- und Lackschichten frei zu legen. Zudem musste das sehr eng gestrickte Budget unbedingt eingehalten werden. Als günstiges Gestaltungselement wurde das Thema des Hochzeitsschleiers aufgegriffen, dieser verhüllt den vorderen Bereich mit einem luftigen und festlichen, weißen Vorhang.

 

Beim Betreten des Raumes und während der Zeremonie bleibt dieser geschlossen. Störende Einbauten wie die Klimaanlage, die Tür zum Nebenzimmer und der Heizkörper verschwinden hinter dem luftigen Tuch, und nur die Umrisse des Fensters sind zu sehen.

 

Das Tonnengewölbe im Eingangsbereich ist in Silber getaucht und wird von ringförmigen Leuchten bestrahlt. Die skulpturale Leuchte Zettel'z von Ingo Maurer passt in ihrer Leichtigkeit perfekt in den Raum und greift die Idee von Votivtafeln auf, eine kirchliche Tradition die in der kleinen Stadt eine lange Geschichte hat. Jedes glückliche Ehepaar, so die Idee, soll zur Silberhochzeit zurückkehren, und einen Dank-Zettel an der Leuchte befestigen. Nach der Trauung werden Vorhang und Fenster geöffnet, eine frische Brise spielt mit den Vorhängen und versinnbildlicht den frischen Wind des neuen Lebensabschnitts.

 

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